Get Adobe Flash player

Runnersworld.de News

Kandel 2013 (Halbmarathon)

Für den Halbmarathon in Kandel habe ich mir viel vorgenommen. In den Wochen davor habe ich mich sehr gut gefühlt und mein letzter Wettkampf liegt schon Monate zurück. Ich kann also relativ frisch nach Kandel reisen. Allerdings hat mich zwei Wochen vor dem Halbmarathon ein Grippevirus überwältigt und zu ganzen fünf Tagen Bettruhe verdonnert. Ich dachte schon: „das war's mit einer guten Halbmarathon-Zeit“.

Aber im Greif-Forum auf Facebook hat man mir Mut zugesprochen und gemeint, wenn ich vorher gut trainiert habe, dann ist noch alles möglich. Als ich endlich das Krankenbett verlassen konnte, da legte ich so richtig los: 115km lief ich in 6 Tagen, inkl. dem ersten 35km Lauf mit 3km Endbeschleunigung als Vorbereitung für den Hamburg Marathon im April. Gefolgt von einem kurzen Tapering (Erholung vor dem Wettkampf) sass ich dann endlich am sehr frühen Sonntag Morgen im ICE-Zug nach Kandel. Hier profitierte ich von der Follower-Power des Twitterlauftreffs, denn in Karlsruhe empfing mich Wolfgang (@Lauftagebuch, DANKE!!) und er chauffierte mich mit seinem Auto nach Kandel, wo wir schliesslich noch Sven (@ulmerspatzz) trafen.

Das Wetter spielte mit, der Himmel zeigte sich zwar bewölkt und es war mit 7°C eher kühl, aber es war trocken (und lange sahen die Wetterprognosen für die Wettkampfzeit sehr, sehr schlecht aus). Aber heute verlief wirklich alles nach Plan: Startnummer holen, umziehen, Toilette, Plaudern und gemeinsames Einlaufen mit den Twitter-Freunden und schliesslich das Einreihen in unsere Startblöcke. Dann ging's los.

Phuu! Der letzte Halbmarathon liegt schon fast ein Jahr zurück, damals wollte ich drei Wochen nach meinem tollen Düsseldorfmarathon (PB) auch eine neue Halbmarathonbestzeit aufstellen, aber ich kam nicht auf Touren und finishte in eher ernüchternden 1:24. Heute aber, habe ich mir viel vorgenommen. Eine Zeit unter 1:21, möglichst nahe an die 1:20 heranlaufen, das war mein Vorhaben - und insgeheim rechnete ich mit 1:20:50.

Ich startete in einer grossen Läufergruppe und wollte mich schon beklagen, dass ich schlecht weg komme, aber auf dem Display des Forerunner 305 konnte ich eine Pace von 3:38min/km ablesen und da wusste ich - alles ist gut. Kandel ist eben bekannt für seine schnelle Strecke (alles schön flach und auf Asphalt). Schon nach rund 800m lockerte sich das Läuferfeld auf und ich konnte frei laufen, ach was schreibe ich, rennen!

Mein Plan war mit einer Pace von 3:48min/km zu starten und später, wenn noch Kraft übrig blieb, das Tempo zu verschärfen. Doch bei meinem bisherigen PB-Halbmarathon schaffte ich lediglich eine Pace von 3:53... pokerte ich zu hoch? War ich übermütig? Ich vertraute meinen Kräften und meinem Training. Ich wusste, dass ich seit Weihnachten jeden Samstag auf der 35km Runde war und ich mir so eine sehr gute Grundlage für die Laufsaison 2013 aufgebaut habe. Und so lief ich mit einem sehr guten Gefühl exakt die von mir vorgenommene Pace.

Km- um Km-Schild flitzen an mir vorbei und schon erreichte ich nach rund 11km den Wendepunkt. Hier lief man mehrere km auf der selben Strecke zurück. Und da konnte ich noch Wolfgang und Sven abklatschen, die sich beim gemeinsamen Laufen gegenseitig motivierten. Ich blickte nach Vorne und sah rund 150 Meter vor mir eine Frau (zu dem Zeitpunkt dachte ich es sei die schnellste Frau, tatsächlich aber lief sie an zweiter Stelle). "Da bleibst Du dran, da schliesst Du langsam auf!" setzte ich mir als Ziel. Und so „klammerte“ ich mich an sie. Es war ein perfektes Rennen für mich, alles war gut und ich fühlte mich zu jeder Zeit so, als hätte ich noch Reserven – und so beschloss ich auch kein Zucker-Gel einzunehmen, ich trank lediglich zwei Mal wenig Wasser.

Aber ich blieb dennoch vorsichtig. Zu gut kenne ich die Gefahren die da auf uns Läufer lauern: Schnürsenkel die aufgehen, Magenprobleme, Übelkeit, Seitenstechen, der innere Schweinehund der einen ausbremsen will, ein Stolperer mit Sturz und und und... aber heute nicht! Als ich beim km18 Schild vorbei flitze kann ich sogar noch zu einem Endspurt ansetzen. Die Frau vor mir ist mir mittlerweile schon rund 100 Meter näher gekommen, aber auch sie läuft unglaublich konstant und stark. Dann der Einlauf ins Stadion, noch „lange“ 300 Meter auf der Bahn... ich blickte auf meine Uhr und realisiere, dass ich meine persönliche Halbmarathonbestzeit pulverisiere. Ich sprinte, übertreibe es aber nicht und so fehlen mir im Ziel noch 10 Meter bis zur Frau. Respekt!

Und ich kann es nicht glauben... ich bin im Ziel und die Uhr bleibt bei 1:19:36 stehen!!! Was für eine Hammerzeit! Und ich fühle mich saugut. Schnell ein Schluck Iso, ein Stück Banane und dann warte ich beim Stadioneingang auf Wolfgang und Sven... rund 8 Minuten später laufen sie ein, zuerst Sven und direkt dahinter Wolfgang - der richtig kämpft und noch einmal alles gibt. Gratulation!


Kandel war ein perfekter Tag für mich – es hat einfach alles gepasst. Das war als Saisonauftakt, schon ein ordentlicher Lohn für all mein fleissiges Laufen den ganzen Winter durch. Das tut gut.

An dieser Stelle ein grosses DANKESCHÖN an meine Frau Elissa. Ohne ihre Hilfe könnte ich mein hohes Trainingspensum gar nicht duchziehen... und gerade dieser Gedanke hat mich während dem Rennen motiviert dran zu bleiben: „Du warst so oft weg, so oft auf der langen 35km – Runde, nun lauf! Lauf Matthias, lauf!!!“



P.S. Bisher habe ich stets gesagt ein Halbmarathon sei nichts Schönes. Man geht an den Start, läuft und geht dann Duschen. Mit Endorphinen ist da nichts – und deshalb kann es ein Halbmarathon nie mit einem Marathon aufnehmen. Kandel hat meine Meinung gründlich verändert! Halbmarathonlaufen kann verdammt geil sein!

Die neusten Beiträge

  • RheinEnergieMarathon Köln 2017

    RheinEnergie Marathon Köln – trotz Toplauf eine Achterbahn der Gefühle!

    Der Kölnmarathon wird bei mir immer in guter Erinnerung bleiben, obwohl ich kurz nach der Ziellinie über einem Absperrgitter hänge und heule… doch wie kam es dazu?

     
  • Das grosse Kribbeln

    Köln Marathon am 01. Oktober: jetzt kommt das grosse Kribbeln

    In 9 Tagen stehe ich Köln am Start meines 28. Marathons. 28! Irgendwie verrückt. Verrückt auch, dass es im Bauch immer noch so stark kribbelt. Diesmal vielleicht sogar noch stärker als jemals zuvor, denn ich fühle mich in der Form meines Lebens – und ich bin bereit nach den Sternen zu greifen!

     
  • Parismarathon 2017

    Das kleine Wunder von Paris
    - eine etwas grössere Erzählung...

    Eigentlich hätte ich ja schon 2016 beim Paris Marathon dabei sein sollen, aber eine Grippe und eine anschliessende Achillessehnenentzündung bremsten mich letztes Jahr kläglich aus. Und das nachdem ich mir bereits im August 2015 einen Muskelfaserriss zugezogen hatte und deshalb eine längere Marathonpause einlegen musste. Ja, es war eine sehr harte Zeit. Ich habe mich dann Ende Oktober 2016 in Frankfurt mit einer 2:41:48 zurückgemeldet. Und als es im Anschluss daran darum ging, mich für einen Frühjahrsmarathon anzumelden, war klar: ich will nach Paris!