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Halbmarathon in Kandel 2014

Der Halbmarathon in Kandel ist wirklich sehr empfehlenswert. Die Strecke ist absolut flach und führt durch den schönen Bienwald. Und mit etwas über 1000 Teilnehmer beim Halbmarathon hat der Lauf eine noch angenehme Grösse. Dieses Jahr traf der Event am 09. März auf einen wunderschönen, sonnigen Frühlingstag. Das motivierte natürlich zu Höchstleistungen.

Das wirklich tolle am Lauf ist aber, dass ich dabei die Gelegenheit habe, die beiden Twitterer Wolfgang (@lauftagebuch; diesmal sogar in Begleitung von Judith;@ryana_81) und Sven (@ulmerspatzz) vom #Twitterlauftreff zu sehen (im Ziel stehend hatte ich dann noch kurz das Vergnügen den Rudi (@austria1165) kennen zu lernen, der Sven und mich erkannt und angesprochen hat).
Mit dem Zug bin ich angenehm von Basel angereist, Startnummer abgeholt, erster Toilettengang und dann in aller Ruhe umgezogen. Sven hatte ich bereits getroffen und wir wollten gerade das gemeinsame Einlaufen beginnen, als er noch einmal zum Auto zurück musste. So begann ich das Warmlaufen alleine. Doch kaum bin ich ein paar hundert Meter gejoggt, da knurrte und brummte es mächtig in meinen Gedärmen. Viel Zeit bis zum Start war nicht mehr, aber ich erkannte, dass es jetzt wichtiger war eine Toilette aufzusuchen, als mich richtig warm zu laufen. Vor den beiden Toi Toi Kabinen war nur eine kurze Schlange. Ich zählte durch, veranschlagte dabei pro Person 2 Minuten und kam so auf 09:54 Uhr – also blieben mir noch 6 Minuten bis zum Start: die Rechnung ging exakt auf. So stellte ich mich also nicht richtig aufgewärmt zu den vielen Läufern(Innen) die sich bereits vor der Startlinie aufgereiht hatten. Ich fühlte mich sehr gut und war bereit „zu leiden“.

„Pääääng!“ knallte der Startschuss und ich kam wunderbar weg und fand gleich zu Beginn zu meiner Renngeschwindigkeit. Es lief äusserst gut. Bereits nach rund 4.5km lief ich mehr oder weniger alleine. Das heisst ich sah etwa 30 – 40 Meter vor mir eine 5er Gruppe. Da war einer mit einem auffälligen gelben T-Shirt – und diesen Mann hatte ich stets als „Hasen“ im Fokus. Meine Garmin Forerunner 620 zeigte, dass ich mit einer Pace von 3:38 Min/km unterwegs war. Das war exakt die Pace die ich mir ambitioniert vorgenommen hatte. Und es fühlte sich nach wie vor sehr gut an. Stets die Gruppe und insbesondere den „gelben Mann“ vor Augen, lief ich mein Rennen. Die 10km Marke passierte ich in 36:27 – und das erfreute mich sehr! Nun zog es sich aber doch in die Länge. Der Kopf musste nun mehr Arbeit leisten, im Sinne von die Anspannung hoch halten und meinen Körper weiterhin in dieser Geschwindigkeit laufen zu lassen. Immer noch hatte ich 30 – 40 Meter vor mir das gelbe T-Shirt vor Augen – und mit diesem die ganze 5er Gruppe, die sich nun allerdings etwas auseinander zog.

Vor dem Wendepunkt kamen mir die ersten Läufer entgegen und spontan begann ich durchzuzählen… so kam ich auf 21. Ich war also beim Wendepunkt (ich glaube bei rund 11km) auf Position 21. Na also – das war ja Ansporn genug mich unter die Top 20 zu bringen. Jetzt lief ich also die Strecke wieder zurück und lief so dem gesamten Feld entgegen, das erst noch zum Wendepunkt musste. Sven, der auch weit vorne lief rief mir motivierende Worte zu und ein paar Minuten später auch noch Wolfgang. Mittlerweile ist es mir bereits gelungen zwei Läufer zu überholen. Stur war ich dem Mann mit dem gelben T-Shirt auf den Fersen, immer praktisch im selben Abstand. Und nun war es tatsächlich so, dass sich die Gruppe vor mir auflöste und ich einen nach dem anderen schön langsam überholen konnte – bis auf den Letzten, den Mann im gelben Shirt :-).

Ich hatte mir also von Beginn weg genau den Richtigen ausgesucht. Ich passierte mittlerweile km18 und wollte natürlich versuchen noch etwas zuzulegen, auf jeden Fall aber nicht an Geschwindigkeit zu verlieren. Es war aber richtig hart. Der Körper schrie nach Pause, verlangte anzuhalten – und der Kopf, der Wille, musste mit aller Kraft dagegen halten. Dann aber passierte es: zu Beginn auf den ersten Kilometern hatte ich leichtes Seitenstechen, dass ich aber gut kontrollieren konnte und dann schnell verschwand. Jetzt aber, als ich aus irgendeinem Grund den Atemrhythmus kurz unterbrach, war es als würde mir jemand ein breites Messer in die rechte Leiste stossen. Ich zuckte zusammen. „Mist!“, mir war gleich klar, dass es sich um ernstes Seitenstechen handelt. Der Körper widersetzte sich kurzzeitig weiter zu atmen, wohl aus Angst noch einmal einen solchen Schmerz verspüren zu müssen. Ich zwang mich regelmässig zu atmen. Lang und kräftig aus – zwei Mal ein.

Ich versuchte eine Pace zu finden, bei der der Schmerz noch erträglich war – wusste aber, dass ich jetzt wertvolle Sekunden verlieren würde. Der Mann im gelben T-Shirt hatte sich auch tatsächlich von mir weg bewegt und war nicht mehr zu sehen. Und jetzt musste ich auch noch einen Läufer an mir vorbei ziehen lassen. Mit grossen Schmerzen lief ich auf das Stadion von Kandel zu, biss auf die Zähne und spurtete noch was ging eine Stadionrunde und erreichte in grossartigen 1:17:48 das Ziel. Fantastisch! Damit blieb ich in der Vorbereitungsphase nur gerade 2 Sekunden hinter meiner PB vom letzten Jahr (damals aber in Hochform im Mai gelaufen). Ich war sehr glücklich und äusserst zufrieden, verlangt doch beispielsweise Steffny in seinen 2:45 Marathon-Plänen in der Vorbereitung eine 1:18 – mein erstes Saisonziel war also geschafft (und damit lohnten sich meine vielen Trainingskilometer den „Winter“ durch)!

Sven spurtete in beachtlichen 1:23:50 ins Ziel und Wolfgang, der in Kandel alljährlich von einem Fluch heimgesucht wird finishte in 1:35:16 – Bravooo Jungs!!! Judith schaffte in ihrem zweiten Halbmarathon sogar eine 1:47:28 – ich würde sagen, das war Spitze!!!

Ja, nach Kuchen und Kaffee ging es dann wieder nach Hause. Der Halbmarathon war eine gute Vorbereitung für mein grosses Ziel vom 13. April 2014: den Wien Marathon in einer Zeit von 2:44:xx zu laufen. Es sieht gut aus! Also, ab in die Laufschuhe, es geht weiter…


Meine Zeit reichte für den stolzen 17. Gesamtrang. In meiner Altersklasse M40 wurde ich sogar 4.
Alles nachzulesen auf der Seite der
 Laufveranstaltung: bienwald-marathon.de

 

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