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Derendinger Abendlauf

Letzten Freitag, am 27.06., bin ich direkt nach der Arbeit nach Derendingen gefahren. Dort wollte ich zum ersten Mal einen 10.2km Lauf bestreiten. Den Startplatz dazu hatte ich auf Facebook bei runningcoach.ch gewonnen. Nun gut, es war kein typischer 10km Lauf, da die Strecke mit rund 80 Höhenmetern doch ein paar fiese Steigungen aufweist - zudem war es an dem Abend recht warm und schwül.

Schon vor dem Start glühte mein Körper als hätte ich Fieber. Zweimal habe ich mir den Kopf unter fliessendem Wasser abgekühlt. Ich hatte nichts zu verlieren. Für mich war es wie immer, ein gutes Training. Und zudem meine letzte schnelle Einheit für 4 Wochen, da es für mich direkt nach dem Lauf in die vierwöchige Sommerregeneration ging. Also noch einmal so richtig Auspowern.
Auf der anderen Seite liegt genau in diesen kurzen Läufen meine Schwäche. Ich habe Mühe gleich von Beginn weg an meine Schmerzgrenze zu gehen. Als Marathonläufer bin ich es mir gewohnt „locker“ los zu laufen und erst nach rund zwei Stunden in den Schmerz zu gehen. Von daher war ich doch gespannt wie es werden würde. Der Lauf selbst war sehr gut organisiert und ich fühlte mich in guter Stimmung. Als Martina Strähl am Start auftauchte war ich natürlich sehr motiviert, da ich ja bereits beim Gempenlauf zeigen konnte, dass ich nur minim hinter ihrer Leistung stehe.

deren10 vorstart
Nach dem Start ging es also so richtig los. Ich habe mich bereits nach wenigen Metern perfekt eingereiht, so, dass ich augenblicklich gut laufen konnte. Ich versuchte mein Tempo zu finden, wollte nicht übertrieben losrennen, aber auch keine Sekunden verschenken. Schon relativ schnell ergab es sich, dass ich hinter einer schnellen Gruppe positioniert war, in welcher auch Martina Strähl lief. Es war wirklich witzig, aber ich scheine tatsächlich sehr ähnlich zu laufen wie sie. (Anmerkung: Martina Strähl hat sich für den EM Marathon der im August in Zürich stattfindet für die Schweiz qualifiziert und gilt als starke Bergläuferin). Hinter mir war dann ein grosses Loch. Nach rund 3km fühlte ich mich nicht mehr ganz wohl. Es war eben genau meine Schwäche so schnell zu starten.

Die Gruppe vor mir entfernte sich etwas und ich spürte wie mein Körper automatisch den „Wohlfühlbereich“ suchte. Dann aber, vielleicht zu meinem Glück, erkannte ich, dass einer in der Gruppe vor mir schwächelte. Irgendwie gab mir das sofort Auftrieb und es gelang mir das Tempo zu halten. Tatsächlich zog ich an ihm vorbei. (Anmerkung: erst jetzt beim Schreiben dieses Berichts fällt mir auf, dass es sich dabei um Tim Hug handelte: ein Schweizer Nordischer Kombinierer). Dann sah ich vor mir noch Martina Strähl und einen weiteren Läufer ein paar Meter vor ihr (Jürg Schaller aus Solothurn). Dieses Bild blieb nun lange unverändert. Ich lief die Strecke zum ersten Mal und ich hatte das Profil im Vorfeld nur ungefähr studiert.  Als eine erste Steigung überwunden war und eine Zweite folgte, dachte ich, dass es das nun mit Höhenmetern war.

Ich fühlte mich mittlerweile sehr gut und zog etwas an. Tatsächlich kam ich jetzt langsam an Martina heran. Doch dann: Auweia! Ich realisierte, dass doch erst die Hälfte der Höhenmeter gemeistert waren und so ging es wieder bergauf. Zu meiner Verwunderung aber konnte ich dennoch Boden gut machen. Ich wusste, lange kann der Aufstieg nicht mehr dauern. Und tatsächlich gelangten wir endlich nach oben. Hier zu dem Zeitpunkt war ich wirklich dicht bei Martina und Jürg. Doch nun ging es bergab. Bergab war nun genau die Disziplin in der ich wirklich schwach bin. Und so musste ich tatsächlich mitansehen wie Martina langsam davon zog. Mittlerweile hatte sie Jürg überholt – und nur kurze Zeit später liess auch ich Jürg hinter mir.

Leider aber fand ich bergab keinen schnellen Schritt. Zudem bestand hier die Gefahr Seitenstechen zu kriegen und das hätte mich sehr verärgert. Es kam fast, ich war nah dran, ich spürte kurz wie ich beinahe die Kontrolle über das Atmen verlor. Dann aber erreichte ich die Ebene. Nun galt es noch die letzten zwei Kilometer durchzuhalten. Motivation hätte ich ja gehabt, denn Martina lag noch in meiner Reichweite. Aber irgendwie war ich bereits zufrieden. Ich konnte nicht mehr zusetzen und zog das Ding einfach noch durch.

Martina Strähl stellte einen neuen Streckenrekord bei den Frauen auf und ich erreichte 15s nach ihr das Ziel!!

37:08 – ich hatte mir eine schnellere Zeit erhofft, aber  ich denke angesichts der schwülen Wärme lag heute nicht mehr drin. Auf jeden Fall hat es sehr Spass gemacht. Ich wurde damit 3. Meiner Altersklasse M40 und Gesamt 13. – das lässt sich doch sehen! :-) Ein gelungener Abend – und eines ist klar, beim nächsten Duell gegen Martina Strähl werde ich mehr Kräfte mobilisieren und frecher angreifen :-)


Hier der Link zur Veranstaltung: Derendinger Abendlauf

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