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Mainova Frankfurt Marathon 2016

Es gibt sie, diese bombastischen Läufe wo einfach alles stimmt. Und dann gibt es auch das krasse Gegenteil, wo von Anfang an alles gegen einen läuft. Ja und dann gibt es auch die Läufe die einfach nur sind. Sie wecken nicht die grossen Emotionen, sie sind nicht wirklich schlecht – sie haben einfach nur stattgefunden, so wie man irgendetwas anderes einfach erledigt - und fertig.
Der Mainova Frankfurt Marathon 2016 war für mich so einer.

Eigentlich hat alles gepasst, alles war wie es musste, die Leistung war stark, die Zuschauer bombastisch, das Wetter wie bestellt – aber das grosse Gefühl hat sich einfach nicht eingestellt. Ohne Grund. Am besten ich erzähle alles kurz der Reihe nach:
Nach meinem PB Marathon in Berlin 2014 (mit einer umfangreichen Vorbereitung mit durchschnittlich über 130km und einem Peak von bis zu über 160 Wochenkilometer), folgte verletzungsbedingt über zwei Jahre, nämlich bis zum Frankfurt Marathon, kein weiterer schneller Marathon. Ich wechselte zudem meinen Trainingsplan von Greif zu Running Coach. Die Vorbereitung verlief optimal, ich lief qualitativ äusserst gut – nur von den Umfängen her bedeutend weniger, als noch zwei Jahre zuvor für Berlin (das heisst konkret durchschnittlich 120 Wochenkilometer mit einem maximalen Peak von 127km).

Und so reiste ich zwei Tage vor dem Marathon nach Frankfurt und plante im Zug mein Rennen. Natürlich wusste ich nicht so recht wo ich stand, was überhaupt möglich war. Ich hing etwas in der Luft und dennoch pokerte ich hoch. Meine persönliche Bestleistung (2:41:35) liegt sehr nahe an meinem Traum, unter 2:40 zu bleiben. Und das Minimalziel unter 2:45 zu finishen öffnet einem das Tor zum Berlin Marathon. Aber eben, all diese Zeiten liegen in einem Bereich von 5 Minuten und gerade im Marathon kann durch einen Fehler, streikenden Magen, zu schnelles Angehen oder einfach an einem schlechten Tag, schnell einmal Zeit verloren gehen, viel Zeit. Und das kann übel sein.
Der Marathonvortag war sehr ruhig. Die Messe erlebte ich trotz der vielen Leuten sehr entspannt. Irgendwie war es mir sogar eine Spur zu ruhig. Immerhin ergaben sich dann am Abend bei der Twitterlauftreff – Pastaparty noch interessante Gespräche und so auch die willkommene Ablenkung.

FFM Clown
Am Vortag im Hotelzimmer ;-)

Dann aber kam der grosse Tag. Sonntagmorgen, dank der Zeitumstellung war das Aufstehen um 6:15 Uhr überhaupt kein Problem. Da es mein 7. Marathon mit Anspruch auf PB war, wusste ich was zu tun war und so verliefen auch die letzten Stunden vor dem Startschuss extrem entspannt.
Und vor lauter Entspannung kam ich auch nie ganz in den Wettkampfmodus, irgendwie fehlte das Feuer, die unmittelbare Motivation. Am Start war es unglaublich eng. Aber ich zog weiter ruhig mein Ding durch. Und so war ich exakt zum Startschuss top bereit.
Da es wirklich sehr eng war, befürchtete ich schlecht wegzukommen. Aber das war dann überhaupt nicht so. Ich kam optimal weg und konnte von Beginn an meine Wunschpace (Geschwindigkeit) laufen. Exakt 3:48 Min/km hatte ich mir vorgenommen. Ich wusste, wenn ich schneller angehe riskiere ich einen üblen Einbruch jenseits der 30km-Marke und wenn ich langsamer angehe, so würde mir am Ende wertvolle Zeit fehlen. Und ich war erstaunt, denn ich lief genau in der mir vorgenommenen Pace, vielleicht ganz wenig schneller, aber ich fühlte mich gut, locker und ich wollte mir einfach alle Ziele offenhalten.

Aber was dann fehlte, war der emotionale Kick, genau das was mir in meinen anderen PB-Läufen den nötigen Schwung gegeben hatte. Es war heute einfach so, dass ich lief. Ich lief, nicht mehr und nicht weniger. Ich versuchte zu Lächeln, den tobenden Zuschauern zu winken, aber dieses, mir so gut bekannte Hochgefühl, stellte sich einfach nicht ein. Und natürlich wusste ich was das bedeuten würde. Und genau so kam es auch. Das Rennen verlief ganz rund. Es war in meinem Bereich ungewohnt viel los und viel Bewegung, ich nahm an, das war so, weil mit dem Lauf die Deutsche Marathonmeisterschaft ausgetragen wurde. Bei km 15 sprach mich einer an, was ich vor hätte zu laufen, wir hatten dasselbe Ziel und wir liefen immer zusammen, mal war er etwas vorne, dann wieder ich, erst ganz am Ende habe ich ihn dann verloren (dafür aber im Ziel gratulierend empfangen). Bis km 31 war alles gut.

Und dann bekam ich etwas Mühe mit dem Atmen. Es stellte sich ein schwaches Seitenstechen ein, das ich zwar gut kontrollieren konnte, jedoch büsste ich etwas an Geschwindigkeit ein. Immer wieder versuchte ich meine Pace hochzuhalten, aber nach diesem km 31 wurde es hart. Nur noch zwei Kilometer gelangen mir unter 3:50 – sonst war die Pace eher bei 3:55 oder gar 4:00 – und so musste ich langsam zur Kenntnis nehmen, dass ich meine unter 2:40 – Wunschzeit sicher nicht mehr schaffen würde – ausser ich könnte noch einmal nachlegen. Ich fokussierte eine Frau die rund 50Meter vor mir in einer Gruppe lief, ich nahm mir vor zu ihr aufzuschliessen. Aber wieder kam das Seitenstechen, wieder konnte ich nicht richtig meine Pace hochhalten.

FFM km35
Foto: Twitterlauftreff: @andre_NO Danke!

Ja, es war hart, aber was willst Du, es war Marathon, Mittlerweilen schon über 38km, da muss man einstecken können. Immer wieder sah ich die Frau vor mir und ich versuchte aufzuschliessen – es gelang nicht und ich erfuhr später, dass es Tinka Uphoff war und dass sie schliesslich hessische Meisterin wurde (Gratulation!). Ich hatte immer mehr mit mir zu kämpfen, die Kräfte liessen nach und einmal mehr glaubte ich bei km 40 es sei noch so unendlich weit bis ins Ziel, einfach brutal, Du hast das Gefühl Du stehst in der Wüste und nichts kann Dich erlösen – nur die Ziellinie. Also, nicht nachdenken, einfach weiter, weiter, weiter! Nichts desto trotz kramte ich meine rote Schaumstoff-Clown-Nase aus meiner Laufhose und setzte sie auf (das hat mich sicher 3 Sekunden gekostet). Aber etwas Spass musste jetzt einfach sein, das lenkte auch vom ganzen Übel ab. Die Leute fanden es jedenfalls sehr witzig. Leider aber ist die Nase dann kurz vor dem Zieleinlauf wieder abgefallen – hat auch irgendwie zum Tag gepasst. Kurz vor der Festhalle blickte ich auf die Uhr 2:41:06 stand da und ich wusste, dass ich nun auch meine PB ganz knapp verpassen würde. Ich reagierte aber richtig und machte mir gleich klar, dass ich hier einen ganz starken Lauf abgeliefert habe! Mutig gestartet, durchgehalten und trotz der fehlenden Hochgefühle habe ich das Ding sicher nach Hause geschaukelt – Mann, das ist einfach nicht Nichts!!

Also riss ich meine Arme in die Höhe und genoss die letzten 60 Meter durch die eindrückliche Festhalle, mit der lauten Musik und dem Toben der Leute. Grandios! Schliesslich blieb die Zeit bei 2:41:48 stehen. Was für ein Ding! Alles war gut. Dankbarkeit und Zufriedenheit machte sich in mir breit. Ja, der ganz grosse emotionale Höhenflug hat nicht stattgefunden. Das sind auch Dinge die man nicht einfach herbeizaubern kann. Sie passieren – oder eben nicht.

Dennoch war Frankfurt rückblickend ein ganz wichtiger Lauf für mich – und dass ich unter 2:42 bleiben konnte, bedeutet im Grunde nichts Anderes als, dass ich meine maximale Leistung abrufen konnte. Nach meinen zwei schwierigen Jahren, wo ich verletzungsbedingt nie einen schnellen Marathon laufen konnte, wage ich jetzt zu sagen: I’m back folks! Und: Danke Frankfurt!!!
Und einen hauen ich jetzt noch raus: nächstes Jahr laufe ich unter 2:40 – Jawohl!!! #myfight


Das Marathonwochenende ist das Eine. Aber wenn man die ganze Vorbereitung betrachtet, die vielen langen Läufe am Sonntag, dann ist es doch nicht ganz Selbstverständlich wenn ich das als Vater von drei Kindern (1,4,9) einfach so durchziehen kann. Und diesmal hatte ich sogar Anfang Oktober in den Familienferien an der Mosel eine meiner hartesten Woche. Hier also ein ganz grosses Dankeschön an meine Frau Elissa, die das wirklich ganz toll unterstützt hat – DANKE!
Ein Dank auch an alle die durch das Hüten der Kinder an diesem Erfolg mitgewirkt haben: Leoni, Silvan mit Salome, meine Schwiegereltern und meine Eltern – ein ganz herzliches Dankeschön!!!
Auch ein riesengrosses Dankeschön geht an den Twitterlauftreff. Es ist einfach unglaublich toll was ich da immer wieder an Unterstützung, aufbauenden Worte und Motivation antreffe. Einfach bombastisch, danke euch allen!!! Und auch meinem neuen Verein, dem Basel Running Club BRC ein grosses Dankeschön - ich bin zwar nicht oft im Training, aber es macht immer riesig Spass mit euch und motiviert ohne Ende! 


Und bevor die Frage kommt, ich weiss noch nicht wo ich nächsten Frühling an den Start gehen werde. Jetzt will ich erst mal regenerieren, einfach mal nichts machen – immerhin ein paar Tage lang… 

Hier noch die Links zum Event:
Mainova Frankfurt Marathon Website
Meine Ergebnisse auf der offiziellen Website



Kommentare   

 
0 #1 Fox 2016-10-31 23:30
Es ist, wie es ist :) Auf jeden Fall ein tolles Comeback nach einer solch langen Pause. Chapeau und auch ich muss für mich feststellen, dass das "qualitative" Traininig für mich besser funktioniert.
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