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FYNE terra semi Marathon

Ich wollte zu Trainingszwecken einen Halbmarathon mit müden Beinen laufen. Dazu suchte ich mir für das Wochenende vom 07. / 08. Juni eine geeignete Veranstaltung. So stiess ich auf den FYNE Terra semi Marathon in Yverdon-les-Bains. Nicht gerade um die Ecke, aber mich reizte auch die Landschaft und dass es sich um eine kleine Veranstaltung handelt.

In aller Frühe am Samstag Morgen stieg ich in mein gemietetes Mobility Auto und fuhr los. In meiner Sporttasche war alles fein säuberlich vorbereitet. Auch das Frühstück, das ich wie immer, exakt drei Stunden vor dem Start essen wollte – diesmal also im Auto. Die Fahrt zog sich dahin – aber ich erreichte rund 1 1/2h vor dem Start – also nach über 2h Autofahrt – den Startbereich. Tatsächlich befand ich mich in einer wunderschönen Gegend am Ende des Neuenburger Sees mit Blick auf die schöne Jurabergkette bereits im französisch sprechenden Teil der Schweiz. Der Himmel war blau und die Temperaturen sollten an diesem Tag zum ersten Mal in Richtung 30°C klettern. Ich freute mich, denn das war genau DER Trainingslauf den ich mir wünschte. Vor drei Tagen lief ich noch den Gempenlauf (rauf- UND runter) und auch in den beiden folgenden Tagen habe ich noch trainiert. Mit müden Beinen in einen Halbmarathon – genau das brauchte ich.

Ich verschaffte mir rasch einen Überblick, was angesichts der Grösse (oder eben der Kleine) dieser Veranstaltung schnell gemacht war. Garderobe, Toilette, Startnummerausgabe – alles auf kleinster Fläche beieinander. Ich machte mich gemächlich parat – und liess die viele Zeit die mir bis zum Start noch blieb sehr langsam verstreichen. Dann endlich forderte der Sprecher uns dazu auf (natürlich in Französisch) uns für den Start aufzustellen.

start

Im Vorfeld habe ich von einem Stephane Heiniger aus Yverdon gelesen, der den Yverdon-Halbmarathon letztes Jahr in super schnellen 1:14:16 gewonnen hat. Aber ansonsten musste ich damit rechnen ziemlich weit vorne mitlaufen zu können. Wie wir so vor der Startlinie stehen berichtet der Speaker, dass eben dieser Stephane heute nicht den Halbmarathon – sondern zusammen mit seiner Freundin - die Mixed-Staffel läuft. Damit rückte ich noch weiter in die Favoritenrolle vor. Aber eben, mir ging es hier um Training – bereits mit Fokus auf den Herbstmarathon: sprich Berlin!

Der Startschuss fiel und wir rannten schnell los. Bereits nach der ersten Kurve reihte ich mich hinter Stephane ein, wohlwissend, dass er nur 10.5km läuft und mir überlegen ist. Kaum waren wir einen Kilometer gelaufen waren wir beide alleine und ein Fahrradfahrer begrüsste mich auf Französisch und meinte er würde mich begleiten. Cool, nun war ich tatsächlich bei einem Halbmarathon unterwegs und war der Führende. Mir kam das natürlich sehr entgegen, weil ich mich so nicht um den Weg kümmern musste – ich konnte einfach dem Fahrradfahrer folgen. Es war eine wirklich schöne Strecke. Viele Naturwege, einmal sogar ein ganz schmaler Trampelpfad. Nach den ersten Kilometern begann ich die Wärme zu spüren und so war ich immer wieder froh, wenn in schattigen Abschnitten ein kühles Lüftchen bliess.

Obwohl ich mir vorgenommen hatte nicht zu schnell zu starten, war ich wieder einmal viel zu schnell unterwegs. Stephane ist nach rund 2 – 3 km langsam davon gezogen. So war ich also ganz alleine mit meinem Fahrradbegleiter. Nach 8km spürte ich meine müden Beine und von der Hitze hatte ich auch schon einen trockenen Mund. Da war mir eigentlich schon klar, dass das heute ein harter Lauf werden würde. Dazu kam auch, dass ich durch das frühe Aufstehen und die lange Anreise recht müde war. Aber eben, Training! Besser als immer diese langweiligen Intervall-Einheiten Zuhause während der Mittagspause an der Birs. Von daher wollte ich mein Bestes geben. Aber während ich vor drei Tagen beim Gempenlauf noch locker und ohne Anstrengung laufen konnte, so war es heute pure Anstrengung. Es kam nie ein beschwingtes Gefühl auf.

Endlich näherte ich mich der Wendestelle bei km 10.5. Da ist die Staffelübergabe und aus psychologischen Gründen brauchte ich dringendst diese Wende. Es wurde langsam lauter und noch bevor ich jemanden sah hörte ich schon eine laute Speaker-Stimme meinen Namen ausrufen. Und dann standen da tatsächlich viele tobende Zuschauer. In all dem Eifer habe ich zu spät entdeckt, dass da noch ein Getränketisch aufgestellt war. Die Wasserbecher hatte ich leider verpasst. Denn ganz dringend hätte ich hier etwas kühlendes Wasser über den Kopf giessen müssen. Pech! Weiter! Nun ging es raus aus dem schützenden Wäldchen direkt ins offene Feld. Hier glühte die Hitze förmlich wie in einem Backofen. Aber nichts desto trotz kämpfte ich weiter. Auch jetzt nach der Wende kam ich nicht in diesen „Flow“, wo es einfach nur wie von alleine läuft. Es stellte sich einfach kein gutes Laufgefühl ein. Zu müde, zu schlapp schien mein Organismus zu sein. Aber immerhin war ich noch in der Lage Tempo zu machen und zu laufen. Da es praktisch den selben Weg zurück ging, kamen mir jetzt die LäuferInnen entgegen. Einige klatschen mir zu.

So kämpfte ich mich Kilometer für Kilometer weiter. Irgendwann etwa bei km 15 sagte mir der Fahrradfahrer, dass weit und breit hinter mir kein Läufer zu sehen sei. Ich selber blickte nie zurück. Obwohl ich dachte, dass ein Sieg hier eigentlich noch eine schöne Belohnung für die ganze Anstrengung sei. Endlich kam ein Getränkestand und ich konnte mir zwei Bescher Wasser über den Kopf leeren - herrlich, das tat gut. Ein Staffelläufer zieht an mir vorbei. Ich lasse ihn. Und ich wiederum überhole die Freundin von Stephane, die sicher mit gutem Vorsprung in die zweite Hälfte gestartet ist. Dann endlich gelange ich wieder in den Start/Zielbereich. Am Ende läuft man noch über eine Wiese. Dann kann ich in die erlösende Zielgerade einbiegen. Vor mir der rote Teppich und das Zieltor.

ziel

Jetzt endlich kommt noch etwas Freude in mir hoch! Sieg! Tagessieg! Ich habe meinen ersten Halbmarathon gewonnen!!! Wow! Der Speaker kommentiert meinen Einlauf und berichtet dass ich von Oberwil komme und kaum stehe ich ausser Atem hinter der Ziellinie streckt er mir das Mikrofon unter die Nase und fragte mich wo den Oberwil sei: „près de Bàle“ (in der Nähe von Basel) antworte ich als sei Französisch meine Muttersprache und damit ist der Speaker sehr zufrieden.

Schnell schütte ich mir wieder Wasser über den Kopf und trinke Iso. Ich bedanke mich noch kurz beim Fahrradfahrer für die Begleitung und dann geht es bereits wieder unter die Dusche. Den Halbmarathon bin in ich in eher langsamen 1:19:09 gelaufen, aber angesichts der Trainingswoche und den doch eher warmen Temperaturen war ich damit sehr zufrieden.
Und nach der Dusche gab es sogar noch eine wohltuende Beinmassage - das war der perfekte Abschluss für diesen tollen Event!

podest

Nach der Rangverkündigung kam noch ein Junger Typ zu mir und stellte mir ein paar Fragen. Er war von der lokalen Presse (Journal d’Yverdon) und einige Tage später erschien tatsächlich ein kurzer Bericht über die Laufveranstaltung:  http://www.laregion.ch/le-fyne-terra-12-marathon-sourit-aux-concurrents-alemaniques/

Alles in allem eine wunderschöne und sehr empfehlenswerte Veranstaltung in einer wirklich traumhaft schönen Umgebung.
Ich setzte mich wieder ins Auto und fuhr entspannt nach Hause… Danke, Yverdon-les-Bains!



- Hier geht’s zur Veranstaltung: http://www.fyne-marathon.ch/
- und hier gibt’s viele Bilder (Ich bin die „68“): https://www.flickr.com/photos/91656960@N05/sets/72157645128956935/