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Manor Basel Marathon 2012

Der Basel Marathon gehört mit seinen rund 112 Höhenmetern mit Sicherheit nicht zu den einfachsten Läufen. Dass mir diesmal, bei meinem 19. Marathon, nichts geschenkt wird, zeichnete sich bereits in der direkten achtwöchigen Vorbereitung ab. Zuerst lag ich zwei Tage mit Fieber im Bett und dann begann eine Schmerz-Odysee. Das linke Knie und die rechte Hüfte machten mir bei meinem Training immer wieder ziemlich weh, so dass ich oft nah dran war, die Marathonvorbereitung aufzugeben. So lief ich 4 Wochen vor dem Marathon lediglich 34 km zwischen Montag und Sonntag (normalerweise sind es 80 bis etwas über 100). Aber ich machte stets weiter.

Dann endlich der grosse Tag. 5:20 Uhr Tagwache, ab zum Frühstück. Alles einpacken, Strecke noch einmal einzustudieren, Verpflegungstaktik verinnerlichen und ab zum Barfüsserplatz wo früh am Morgen bei toller Stimmung unzählige Helfer wie fleissige Ameisen den Lauf vorbereiteten. Alles verlief nach Plan und ich konnte basel2012 01smich in Ruhe umziehen. Dann aber verlor ich viel Zeit für den letzten Toilettengang. Anstelle von 08:00 Uhr war es mittlerweile schon fast 08:20 Uhr – 10 Minuten also noch bis zum Start. Ich lief mich kurz ein – und oh Schreck: Schmerzen in Knie und Hüfte. „Nein, bitte nicht!“ – ging es mir durch den Kopf. Als wäre nichts geschehen reihte ich mich ziemlich weit vorne ein. Meine GPS–Uhr suchte Verbindung – noch 5 Minuten. Dann noch 2 Minuten bis zum Start, immer noch keine Satellitenverbindung. Und dann klappte alles doch noch: Satellitenverbindung war da, der Startschuss fiel, ich lief los… und hatte keinerlei Schmerzen. „Juhuii! – geschafft!“. Die 400 MarathonläuferInnen starteten zusammen mit den 1400 HalbmarathonläuferInnen und im Vorfeld befürchtete ich schon das Schlimmste, aber nichts da, ich kam gut weg und lief nur den ersten Kilometer zu schnell. Dann konnte ich meine geplante Pace (Läuferlatein = Geschwindigkeit in Min pro Km) von rund 4 Min/km einhalten. Ich fand schnell gut ins Rennen und hatte Zeit den Lauf zu geniessen. Mancher Tempolauf hatte ich im Training in der Mittagspause absolviert und rund 8 Mal war ich am Wochenende auf meiner 35km – Runde. Und nun endlich war der grosse Tag gekommen. Zahltag, die grosse Belohnung.
Die Steigungen habe ich gut verkraftet und ich war erstaunt wie gut es mir lief. Ab km 17 war eine Tempoverschärfung geplant, dazu kam es allerdings nicht, denn auf einmal bekam ich Seitenstechen. „Nein, nicht schon wieder!“ – schrie es verzweifelt in mir. Und gleichzeitig gab ich meinem Körper den Tarif durch: „Du kannst machen was Du willst – ich bleib nicht stehen – ich laufe einfach weiter!“. Aber es war eine richtige Herausforderung. Das Stechen absorbierte meine gesamte Aufmerksamkeit und so konnte ich mich gar nicht mehr richtig auf den Lauf konzentrieren. Richtig schlimm wurde es kurz vor der Halbmarathonmarkierung – hier hatte man sogar die Möglichkeit den Lauf vorzeitig zu beenden und sich als Halbmarathonläufer zu klassieren. Aber ich gab den Gedanken gleich wieder auf, denn ich wusste, dass mich ein paar Freunde auf der Strecke erwarteten und immerhin auch meine Familie! So atmete ich tief ein, hielt meine Geschwindigkeit und lief weiter. Rang 10 rief mir ein Helfer zu, als ich die Halbmarathonmarke passierte. „Gut“, dachte ich, „dann läuft es ja wirklich gut“. Denn direkt vor mir waren zwei Läufer, also Rang 8 auf Augenhöhe. Bei der Wettsteinbrücke empfing mich meine Familie mit einem grossen Transparent, „Cool!“ und mein fast 6 jähriger Sohn überreichte mir zwei Energie-Gels. Ich lief mit den anderen beiden Läufern und versuchte anzugreifen, aber das Seitenstechen pfiff mich wieder zurück. Erst im zweiten Anlauf konnte ich an den beiden vorbeiziehen. Und da war auch schon der nächste Läufer in Sichtweite. Souverän nutzte ich meine fast schmerzfreie Phase aus und zog auch an diesem Läufer vorbei. Dann war ich ziemlich einsam. Kein Läufer in Sichtweite – eine leere Marathonstrecke lag vor mir. Bald aber tauchte der nächste Läufer auf und ich konnte auch diesen locker überholen. So lief ich dann weiter alleine bis km 33. Hier lief man beim Start- und Zielgelände vorbei und so hatte es auch entsprechend viele Zuschauer. Zuerst, eingangs der Steinenvorstadt (die grosse Ausgangsmeile in Basel), stand bereits mein Arbeitskollege Hartmut, der gerade eben einen tollen Halbmarathon hingelegt hatte und winkte mir zu. Und bereits 200 Meter weiter begrüsste mich wieder meine Familie mit tosendem Applaus – und hier kam es zu einer entscheidenden Szene: es war geplant, dass ich an dieser Stelle zwei Gel-Chips erhalten würde – doch diesmal stand mein Sohnemann etwas abseits, ich sah ihn zu spät und konnte den Proviant nur noch schnappen weil meine Schwägerin toll reagiert hatte und mir rasch den Beutel hinstreckte. Das war knapp aber gerade noch gut gegangen. Auch Pasci stand noch da und sprach mir zuversichtlich zu: „Es sieht gut aus!“. Schliesslich winkten mir auch Lucas und seine Frau Ana (die am Morgen einen tollen 1/6 Marathon gerannt war) motivierend zu. Es macht einfach Spass wenn man in der Heimstadt läuft und bekannte Gesichter unter den Zuschauern anzutreffen sind. Vom Barfi ging es dann die schwerste Steigung den Kohlenberg hinauf. Der Rest ist schnell erzählt: Leichte Übelkeit die aufkam konnte ich mit meinen Gel-Chips erfolgreich vertreiben, dann ab km 35 war Matthias an der Strecke und er motivierte mich noch ein letztes Mal meine Pace zu halten. „Es sieht gut aus! Komm noch einmal! Die Distanz zum Hintermann wird grösser! Weiter! Weiter!“ – so konnte ich meine 6. Position bis ins Ziel erfolgreich verteidigen… und wie ich ins Ziel lief! Ich schrie laut und boxte vor Freude mehrmals in die Luft. Mann! Was war das für ein schmerzhafter Marathon – umso schöner das Erfolgsgefühl im Ziel. Da standen auch schon alle: Matthias, Fränzi, Lucas, Ana und meine Familie!!! Lucas hielt mir sein Smartphone hin: „Ich gratuliere Dir – schau – Du bist in Deiner Altersklasse 2. Geworden!“. Und so durfte ich dann später tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben nach einem Lauf auf die Bühne… "und im zweiten Rang in der Altersklasse M40 haben wir Matthias Kunz aus Oberwil!!!" Yeahhhh Mann! Laufen macht einfach Spass… Marathon ist mein Ding! Danke Basel! Und an dieser Stelle ein grosser Dank an meine Familie, ich weiss ich war oft weg, speziell am Wochenende, auf meiner 35km – Runde – DANKE für die tolle Unterstützung!

basel2012 02s

Ach ja, meine Laufzeit: 2:56:44.7 waren es am Ende. Meine Drittbeste Marathonzeit.
Und zum Dritten Mal unter 3 Stunden.

Manor Basel Marathon run to the beat, 23.09.2012: Hier der Link zur Veranstaltung

Kommentare   

 
0 #1 Matthias 2012-10-01 15:51
Also, nachdem nun einige Tage vergangen sind und sich alles gesetzt hat kann ich meinen Bericht wie folgt ergänzen/korrig ieren: Ich war ca. ab km 27 auf Position 5... bei km36 wurde ich dann überholt. Und so landete ich auf dem 6. Gesamtrang. ;-)
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