Get Adobe Flash player

IWB Basel Halbmarathon - Der Fluch von Basel lebt weiter...

Die Basler Marathontage und ich haben ein zwiespältiges Verhältnis zueinander. Hier bin ich beim Marathon schon heftig dem Hammermann begegnet (2010) und letztes Jahr hatte ich mit unangenehmem Seitenstechen zu kämpfen. Heute, am 22.09.2013, bin ich den Halbmarathon gelaufen. Und ich will es gleich vorweg nehmen: mit 1:19:17 - zwar keine PB - aber eine Top Zeit und ein Top Rang (Gesamt 12. (!) – und 2. Kategorie M40). Was also ist schief gelaufen?


Es begann schon früh. Nachdem am Vortag ein grosses Familienfest stattgefunden hatte ging ich viel zu spät ins Bett und der Wecker hatte entsprechend Mühe mich aus den Federn zu holen. So stand ich rund 20 Minuten später auf als geplant. Frühstücken, Sachen richten, Toilettengang – soweit alles bestens. Dann endlich bin ich mit dem Ebike Richtung Basel los gefahren. Kaum bin ich bei uns den kleinen Berg runter gesaust fiel mir mit Schrecken ein, dass ich meine GPS-Uhr vergessen hatte. Also, umdrehen – Berg hoch – Uhr holen. Dann auf dem Startgelände die übliche Hektik. Aber daran bin ich ja mittlerweile gewohnt. Beim Umziehen bemerke ich, dass ich vergessen habe ein Gel einzupacken, das ich eigentlich direkt vor dem Start einnehmen wollte. Ok, nicht so schlimm. Alles lief sonst prima. Ich traf noch etliche Leute vor dem Lauf. Es machte richtig Spass, denn Wettkampftage sind bei mir eher selten. Dies war 2013 erst mein Fünfter. Also alles schön genossen.

Kurzes Einlaufen, am Start ziemlich vorne einreihen – ich fühlte mich bereit… und schon fiel der Startschuss! Es ging los! Ich kam wunderbar weg. Schätzte Position 7 oder 8… und lief mit drei anderen. Es fühlte sich gut an. Wie geplant exakt in einer Pace von ungefähr 3:38 Min/km. Wunderbar! Doch auf einmal kurz nach km2 hatte ich beim Einatmen Schmerzen im Rücken zwischen den Schulterblättern. Sehr unangenehm. Und ich merkte wie der Körper automatisch zu wenig stark einatmete… „Mist!“ – ging es mir durch den Kopf. Diese Schmerzen hatte ich auch schon mal im Training, ist wirklich fies, weil einem so einfach die Luft ausgeht. Ich riskierte nichts – hatte auch nicht wirklich eine andere Wahl und liess die Gruppe ziehen. Ich blieb allein. Das aber war ich mir gewohnt. Ich versuchte dem Körper klar zu machen, dass er tief einatmen MUSS… es gelang aber nicht… dann auf einmal, bei der Stelle wo sich nach einer Schlaufe die Halbmarathonstrecke wieder trifft rief mir Rolf vom TV Riehen zu: „Super Matthias, weiter so!“ – ich winkte zurück, habe aus Luftmangel jedoch nichts zurück gerufen. Und dann – ja… waren die Schmerzen auf einmal schlagartig weg. Ich konnte das Tempo wieder verschärfen. Und es machte wieder Spass! Die Gruppe die ich ziehen lassen musste hatte ich immer in Blickweite. Alles war wieder gut. Rund 3km weiter schliesst von hinten ein junger Läufer zu mir auf. Ich begrüsste ihn mit einem „Super!“ – er bedankte sich und wir liefen die nächsten rund 10 – 12km zusammen. Zwischendurch unterhielten wir uns über den Begriff „run to the beat“…weil ja Basel damit Werbung macht, auf der Strecke aber so gut wie keine Musik zu hören ist.

Ich fühlte mich nach wie vor sehr gut. Dann bei ca. km 13 durchquerten wir den St. Johanns-Park. Diesen verlässt man über eine scharfe Linkskurve. Und da geschah es: auf einmal stand ein Fahrradfahrer direkt vor mir – zum Glück nur mit Schritttempo. Ich konnte ihn am Lenker packen und stoppen. Aber ich musste auch einen kurzen Moment lang anhalten. „Glück gehabt!“…das wär‘s gewesen! Weiter ging‘s. Wir schlossen langsam zu einem Läufer auf, ein weiterer kam von Hinten dazu und so waren wir zu Viert. Die letzte Schlaufe, dann würden die letzten Kilometer dem Rhein entlang Richtung Ziel folgen. Ich freute mich schon richtig auf die letzten Kilometer. „So, jetzt ein flotter Endspurt hinlegen!“ – aber dann kam alles anders. Und es ging verdammt schnell. Seitenstechen! Brutal! Zwerchfell rechte Seite. „Nein, bitte nicht!“ – Ich versuchte anders zu atmen, meine Arme anders zu halten, es half alles nichts. Bei jedem Einatmen hätte ich losheulen können. Dann aber fand ich Linderung. Ich musste mit der rechten Hand über der schmerzenden Stelle in eine Hautfalte kneifen. Sicher nicht der beste Laufstil – aber auf das kam es auf den letzten Kilometern nicht mehr an. Immer wieder versuchte ich das Tempo zu forcieren, aber der Schmerz setzte meinen Versuchen jeweils ein jähes Ende. Ich musste kampflos die Gruppe ziehen lassen – was für eine Enttäuschung! So viel Training und wenn’s darauf ankommt, wenn’s anfängt Spass zu machen, muss ich wegen Seitenstechen „zuschauen“ – „Grmmpff!!“. „Kopf hoch! Jetzt einfach noch meine Zeit heimbringen.“ Ging es mir tröstend durch den Kopf, „sei was will, unter 1:20 will ich bleiben.“ Mittlerweile waren wir längst auf das Marathonfeld aufgelaufen das ja 45 Min. vor uns gestartet war. Ich lief zum Teil Slalom um die Leute und kniff immer schön in die Hautfalte. Ich kam mir vor wie eine Schnecke und ehrlich, ich hätte am liebsten laut gejammert! :-)

Aber ich erinnerte mich an meine anderen Wettkämpfe die ich dieses Jahr schon gelaufen bin. Da ist es jeweils ausgezeichnet gegangen – und so habe ich mich tapfer dem Schicksal gebeugt.
Schliesslich habe ich das Ziel, wie eingangs erwähnt, in einer wirklich sehr guten Zeit erreicht.
Trotzdem musste ich einmal mehr erfahren, dass ein Zieleinlauf bei einem Halbmarathon nicht in geringster Weise an das herankommt, was ein Marathonzieleinlauf zu bieten hat… so tauchte ich erst einmal in ein Bad der Enttäuschung - und erst unter der Dusche rappelte ich mich mental wieder hoch: „doch, das war genau was ich wollte: ein guter Trainingslauf als Vorbereitung für den Frankfurt Marathon!“ – dennoch was bleibt ist die Erkenntnis: Der Fluch von Basel lebt weiter… oder: alles eine Frage der Perspektive!

IWB Basel Halbmarathon Resultate

Fotos folgen!!!