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Der verletzte Läufer

Ein Läufer will laufen, kein bisschen mehr,
an den nächsten Marathon sehnt er sich sehr.
Intervalle und Tempoläufe bis der Asphalt glüht,
Und nach den langen 35km-Läufen komplett abgemüht.

In Gedanken stets daran zu optimieren,
schluckt dies und das und etwas gegen Viren.
Innen brennt das Feuer die Grenzen neu zu setzen,
dafür lohnt es sich im Training herum zu hetzen.
Den Blick stets auf die neuste Touchscreen GPS Uhr gerichtet,
werden bei der Endbeschleunigung gar Fahrradfahrer vernichtet.
Auf Social Media wird ausgetauscht und motiviert,
die neusten Ratschläge gleich ausprobiert.
Ja, der Läufer ist vom Typ her ganz speziell,
ihn brennt die Frage: wie werde ich schnell?

Doch dann der Schmerz – eine Verletzung,
nur ein paar Tage – lautet die erste Verschätzung.
Alles wird ins gute Licht gerückt, die Verletzung ist wie Doping,
denn durch die Erholung läufst Du nachher wie ein Lauf-King.
Ernüchterung dann nach ein paar Tagen,
nun geht es los mit den und jenen Fragen.
Schnell baut der Körper was er mühsam aufgebaut hat wieder ab,
im gleichen Masse nimmt der Bauch zu – Du fühlst Dich schlapp.
Ziele gehen unter wie die Titanic,
dich erfasst die Midlife-Panik.
Neue Lauf-Ideen hast Du mehrmals täglich,
doch alle scheitern sie wieder kläglich.
Weil der Muskel einfach noch nicht will,
er ist zu schwach für den täglich Drill.

Die Zeit vergeht, die Geduld gelangt an ihr Ende,
morgen weisst Du – morgen kommt die Wende.
Du wünscht Dir müde Beine von einem harten Lauf,
du träumst von einem hohen Puls und schwerem Schnauf.
Doch irgendwie will es einfach nicht klappen,
und so musst Du noch lange im Schatten tappen.

Aber es kommt der Tag der Rettung,
endlich, der langersehnte Umschwung.
Langsam kommst Du wieder rein, es steigt die Form,
fast unterbietest Du im Training die Olympia-Norm.
Es läuft wieder und Du wirst dünn trotz dem vielen Fressen,
die Verletzung? Ja die Verletzung hast Du längst vergessen.

 

Matthias Kunz, 16.10.2015 (mit Muskelfaserriss)