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Süchtig nach Laufen!

– oder worum es beim Marathon wirklich geht
Immer wieder taucht aus meinem Umfeld die Behauptung auf ich sei süchtig. Süchtig nach Laufen. Darüber muss ich schmunzeln. Denn ich stelle mir dann vor wie ich morgens mit zittrigen Händen und schweissgebadet aufwache. Wie ich flehend meine Laufschuhe streichle und kläglich jammere: «wann darf ich wieder laufen?» - und dann, später am Tag, wenn die Gelegenheit da ist, gebe ich mir «den Schuss» und laufe los…

Leider läuft es sehr oft ganz anders ab. Da ist diese Stimme: «Heute kannst Du ruhig eine Pause einlegen und die Beine hochlagern» - dann die andere Stimme: «welche Zeit willst Du in 34 Tagen bei Deinem Marathon laufen? Also – da liegt kein Ruhetag drin, ab in die Laufschuhe!» - draussen ist es dunkel und kalt und irgendwie überwinde ich mich dann doch und absolviere meine Laufrunde. Marathontraining hat nichts mit Sucht zu tun, die täglich befriedigt werden muss. Vielmehr ist es eine Fleissübung, täglich muss die Pflicht erfüllt werden, damit das persönlich gesteckte Ziel erreicht werden kann. Aber sicher macht es meistens Spass und manchmal sogar riesig! Wenn man auf der 35km-Runde fast fliegend unterwegs ist und es einfach rund läuft, ja dann kommen natürlich auch mal so richtig Hochgefühle auf. Auch das gibt es.

Und dennoch ist es richtig, dass ich süchtig bin. Ja, ich gebe es zu. Aber nicht nach der täglichen Laufrunde oder dem Hochgefühl beim Tempodauerlauf. Nein, ich bin süchtig nach dem schönsten Ort der Welt. Ich habe ihn schon in anderen Blogs beschrieben: die letzten paar hundert Meter eines gelungenen Marathons sind an Hochgefühl und «Schönheit» mit Nichts auf der Welt zu übertreffen. Und eigentlich müsste dieser Ort in den buddhistischen Schriften erwähnt sein, denn dieser Ort ist zerbrechlich und vergänglich wie nichts Vergleichbares auf der Welt. Wochen-, wenn nicht Monatelang trainierst Du hart. Drehst früh morgens oder spät abends Deine Runde. Treibst Dich zu schmerzhaften Intervallen an und spulst nach einer harten Woche am Sonntag noch die 35km Runde ab – alles nur für DIESEN EINEN MOMENT. Und wenn Du dann da bist, auf diesen letzten paar hundert Metern und alles wunderbar aufgegangen ist, dann bist Du auf einmal Mitten in diesem Ort – und Du badest in diesem unbeschreiblich angenehmen Bad der Gefühle. Du wirst Eins mit allem und alles ist schlicht gut. Doch so sehr Du es Dir auch wünscht – alle Versuche diesen Moment festzuhalten scheitern. Es ist einfacher Sand oder Wasser in den Händen zu halten als diesen einen speziellen Moment. Klar, er lässt einen Tage- oder Wochenlangen Schatten der Zufriedenheit zurück. Aber das ist nur ein schwaches Ausklingen. Wie eine Kerze die im Sonnenlicht steht.
Und so muss ich also tatsächlich zugeben: ja, ich bin süchtig!

In 18 Tagen habe ich wieder die Gelegenheit diese Türe zu diesem speziellen Ort aufzustossen. Beim Frankfurt Marathon am 30. Oktober stehe ich nach zwei Jahren endlich einmal wieder top fit an der Startlinie um zu kämpfen. Und es wird «mein Kampf» #myfight – nicht gegen die Zeit, nicht gegen andere, nein, ich laufe einzig mit dem Ziel auf den letzten hundert Metern die Tür zu diesem zauberhaften Ort aufzustossen – dafür gebe ich alles – das ist es worum es beim Marathon geht…
(Und sowieso, der Sinn von allem ist 42, genau berechnet 42.195) :-) 

Kommentare   

 
0 #2 Jana 2016-10-31 23:00
So toll geschrieben! Danke dafür.
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0 #1 Wolfgang 2016-10-13 06:27
Sehr geil geschrieben, du sprichst mir aus der Seele. Ich hoffe du packst das in Frankfurt kommst zu diesem Ort. Ich werd's auch versuchen....au ch in Frankfurt :-).
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