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Das grosse Kribbeln

Köln Marathon am 01. Oktober: jetzt kommt das grosse Kribbeln

In 9 Tagen stehe ich Köln am Start meines 28. Marathons. 28! Irgendwie verrückt. Verrückt auch, dass es im Bauch immer noch so stark kribbelt. Diesmal vielleicht sogar noch stärker als jemals zuvor, denn ich fühle mich in der Form meines Lebens – und ich bin bereit nach den Sternen zu greifen!

Das heisst ich traue mir zum ersten Mal überhaupt wirklich zu, den Marathon unter 2h und 40 Minuten laufen zu können. Bisher war das immer nur eine Spielerei, ein übermütiges Getue. Aber diesmal bin ich echt in Form und vor allem ist der Kopf bereit zu kämpfen.
Ich höre immer wieder von verschiedenen Seiten, dass Sport eine reine Körpersache ist. Wer das glaubt, dem empfehle ich Marathon auf Bestzeit zu laufen. Das ist nämlich, nebst dem harten Marathontraining, auch eine immense mentale, also geistige, Herausforderung. Wenn der Kopf am Tag X nicht will, dann hast Du keine Chance – da kannst Du noch so fit sein…

2017 ist für mich schon jetzt ein Rekordjahr. Zum ersten Mal überhaupt bin ich innerhalb von zwei Monaten (März und August) über 500km gelaufen. Im Februar, im Trainingslager vom Basel Running Club, habe ich einen neuen Rekord in Sachen gelaufene Kilometer pro Woche aufgestellt. Und was ich schliesslich jetzt in der Vorbereitung auf Köln alles im Training angestellt habe, sind für mich neue Dimensionen. So bin ich gespannt und entsprechend aufgeregt, ob ich all das Geleistete dann in Köln wirklich umsetzen kann.

Training 2017 small
16.09.17: 38km-Runde souverän gemeistert!

Mit meinen 27 Marathons im Gepäck profitiere ich natürlich von viel Erfahrung. Und deshalb weiss ich, dass in Köln auf den 42.2km so einiges passieren kann – aber ich weiss auch, was an dem Tag möglich ist – wenn alles mitspielt und dann noch etwas Glück dazu kommt. Hinter mir liegen schöne Trainingskilometer und tolle Erinnerungen. Aber auch leidvolle Kilometer, Kilometer die am absoluten Limit des Erträglichen (für mich und meine Familie) gelaufen wurden. Auch der traurige Verlust einer Trainingskollegin vom Basel Running Club musste verarbeitet werden.

Aber gerade das ist die Faszination am Abenteuer Marathon. Für mich ist es immer wieder vergleichbar mit den Mandalas, welche tibetische Mönche in mühsamer Arbeit kreieren und dann einfach wegwischen. Im Marathon steckt so unendlich viel «Herzblut», so viel Einsatz, Durchhaltewillen und Verzicht drin – und das alles für DEN EINEN MOMENT! Wenn dann ein Gewitter aufzieht, Dich etwas schwächt, wenn Du stolperst oder Du einfach nicht bereit bist – dann ist es vorbei, dann war alles für «nichts»…

Natürlich versuchst Du alles zu kontrollieren was geht. Das Training, das Essen, die Erholung usw. aber Du lernst DIE LEKTION des Lebens: Demut! Denn letztlich musst Du anerkennen, dass so viele Dinge im Leben nicht zu kontrollieren sind, dass sie einfach geschehen – ob es Dir passt oder nicht. Und meiner Meinung nach erlebt man genau das nirgends derart ausgeprägt wie im Marathon – bzw. im Leistungssport. Das ist das was mich am Marathon so unglaublich fasziniert.

Nun blicke ich aber nach vorne: 01. Oktober 2017. Köln. Es ist 12:30 Uhr… seit 2h und 30Minuten laufe ich Marathon… wie wird es mir gehen? Werde ich zu diesem Zeitpunkt von den Emotionen gepackt, durchgeschüttelt und werde ich, angefeuert von 500'000 Zuschauern (!), wie ein Düsenflieger ins Ziel – unter 2:40 – donnern? Werde ich sogar für eine kurze Weile im schönsten Ort der Welt eintauchen dürfen (der schönste Ort der Welt sind die letzten paar Hundert Meter eines erfolgreichen Marathons, es gibt nichts Vergleichbares, ausser noch die Geburt eigener Kinder)?
Oder fliessen Tränen der Enttäuschung, kämpfe ich mit irgendwelchen Problemen? Es steht nicht in den Sternen geschrieben – niemand weiss es. Nur erahnen kann ich es, ich selber!
  
Das Training ist gelaufen – ich bin durch. Am Sonntag laufe ich noch mit dem Basel Running Club den EKIDEN Marathon in Basel. Ein Staffellauf, bei dem ich 5km zurücklegen muss. Also noch ein toller Höhepunkt zum Abschluss. Dann folgt nächste Woche noch eine kräftezehrende Woche bei der Arbeit mit wenig Schlaf und viel Präsenzzeit. Aber ich bin gut vorbereitet. Ich will zum grossen Sprung ansetzen. Ich fixiere den grossen Stern, den grössten… ich fokussiere ihn – und springe mit ganzer Kraft in die Höhe!!!

Fortsetzung folgt am 01. Oktober um ca. 12:45 Uhr… dann wissen wir mehr!
...

 

 



Einmal mehr möchte ich betonen, dass ein solcher Trainingsumfang mit drei Kindern nur durch eine tatkräftige Unterstützung möglich ist. Ich danke hier besonders meiner allerliebsten Elissa und meinem ältesten Sohn (den ich ein paar Mal abends kurz mit seinen beiden jüngeren Brüdern – die schon geschlafen haben - alleine lassen musste).

Family Kunz 2017 small
17.09.17: nach 40km Radfahrt am Slow-Up Basel

Ein grosses Dankeschön geht auch an meinen Schwager Silvan, meine Schwiegereltern Heidi und Dieter und meine Eltern Heidi und René für die zahlreichen Hüteeinsätze dank denen ich viele, viele Trainingskilometer absolvieren konnte. Ein grosser Dank geht auch an den Basel Running Club – leider habe ich es nicht zu vielen Trainingseinheiten bei euch geschafft, aber es ist jedes Mal enorm motivierend für mich – auch die vielen Sprüche und Berichte auf WhatsApp! Ich danke auch vielen aus meiner Twitter-Timeline die mich immer wieder anspornen. 

Und letztlich gilt mein Dank auch dem Leben, denn gerade durch den Verlust der Trainingskollegin, aber auch, wenn man so alles mitkriegt was anderen widerfährt, realisiere ich immer wieder: wer so laufen kann wie ich, der hat alles im Leben, was man nur haben kann: Gesundheit und Glück! Danke! 

Kommentare   

 
0 #1 Matthias 2017-12-01 17:02
Hey, ich weiss jetzt nicht mehr wie ich über deine Seite gestolpert bin, ist aber ein Glückstreffer. Schön geschrieben und vor Allem der Schlussabschnit t beeindruckt mich. Viele sehen es als selbstverständl ich an.
Ich werde mich jetzt weiter durchklicken, und werde sicher bald wieder einmal vorbeischauen.
Grüsse
Matthias
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