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9 monatiges Sabbatical

Wie schnell doch die Zeit läuft, unglaublich. 9 Monate sind jetzt vergangen, 9 Monate Arbeitslosigkeit. Gekündet habe ich sogar schon vor einem Jahr und drei Wochen. Es war ein Schritt in die Ungewissheit. Als würde ich ein Schiff besteigen und ohne grosse Ahnung zu haben, raus aufs grosse Meer fahren. Klar ist man da angespannt und weiss, dass es Unwetter oder grosse Pottwale gibt, vielleicht sogar noch Piratenschiffe? Ich habe aus gesundheitlichen Gründen meinen Job aufgegeben, auch weil neben dem Familienleben mit den 4 Kindern der Druck zu gross wurde. Obwohl ich ein erfolgreicher Marathonläufer bin und so über einen starken Willen verfüge und auch unter Druck und schlechten Bedingungen gut zurechtkomme, so war es doch zu viel des Guten und ich habe die Reissleine gezogen. Auch, weil ich trotz Anstrengungen meinerseits, nicht die nötige Unterstützung erhalten habe. So habe ich angefangen ab Februar 2024 Bewerbungen zu schreiben. Immer schön 8 pro Monat und zu beginn, als mir die Erschöpfung aus dem jahrelangen Hamsterrad noch fest in den Knochen lag, hoffte ich bei jeder Bewerbung eine Absage zu kriegen. Nein, ich war nicht bereit so rasch wieder an einem neuen Ort einzusteigen. Ich brauchte eine Pause, eine Auszeit – oder wie man es modern nennt: ein Sabbatical. Schnell zeigte sich, dass ich mit meinen 52 Jahren auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr so gefragt war und dass ich deshalb meine gewünschte Auszeit erhalten würde. Es war nicht nur der Weggang von einem Job, ich habe in dem Betrieb 15 Jahre verbracht und viele Freundschaften aufgebaut. Es war eine Trennung von ganz vielen Menschen, die ich schätzen gelernt habe. Menschen die mir ein unglaublich schönes Abschiedsfest geschenkt haben. Naiv dachte ich, ich laufe da raus und beginne ein neues Leben, leicht und unbeschwert. Aber der Körper und der Geist haben rebelliert. Zuerst wurde ich krank, dann hatte ich eine Nackenstarre wie ich noch nie eine hatte. Und ich war richtig kraftlos. Ich war sogar glücklich, als Anfang Juli wegen zwei Unwetter der Zermattmarathon abgesagt wurde, obwohl es mit meiner 10. Teilnahme mein Jubiläumslauf gewesen wäre. Ich war einfach platt. Die letzten 8 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen. Und obwohl ich bereits Ende Januar gekündigt hatte, wusste ich Anfang Juli immer noch nicht, ob man mir Arbeitslosengelder kürzen würde, da ich selbst gekündigt hatte. Ja, ich habe Verantwortung übernommen und meine Gesundheit geschützt. Diese leeren, emotionslosen Tage, wo ich wie neben mir stand wurden immer mehr und ich hielt es nicht mehr aus. Eine Veränderung der Stelle lag in weiter Ferne und die Organisation blieb eine kraftraubende Katastrophe. Aber wird das anerkannt? Die ganze Familie bangte um ihre Sommerferien, denn Reserven hatten wir keine. Ob Ferien drin lagen, hängte einzig von dem Entscheid ab. Und tatsächlich erhielt ich am 18. Juli - also knapp 6 Monate nach meiner Kündigung, ich habe mich damals umgehend beim RAV gemeldet – einen Anruf und damit den Bescheid. Ich wurde nicht bestraft! Was für eine Freude! Das Schweizer Sozialsystem funktioniert – was waren wir glücklich. Am nächsten Tag haben wir Ferien gebucht und am übernächsten Tag sind wir losgefahren. So knapp war das. Das Schiff segelte also sicher an den ersten Klippen vorbei. Mein Alltag sah seit Monaten bereits so aus: jeden Tag um 6:45 Uhr aufstehen, die Kinder schulfertig machen, ab 8 Uhr kurz die Zimmer aufräumen und Staubsaugen. Dann einkaufen oder etwas organisieren. Zum Beispiel den Keller aufräumen. Dann ab 11:15 Uhr kochen und ab 12 Uhr die Kinder in Empfang nehmen. Am Nachmittag einfach zuhause sein und für die Kinder da sein. Jeder brauchte immer wieder mal etwas, Unterstützung bei den Hausaufgaben usw. und selbstverständlich habe ich mich gleichzeitig stets um eine neue Stelle bemüht. Das Internet durchforstet und die Unterlagen optimiert. Es gab jeden Tag viel zu tun. Meine Frau nutze die Gelegenheit, um beruflich wieder voll einzusteigen und war den Tag durch fast nicht mehr zuhause. So hatte ich viele Freiheiten, war aber doch durch das Familienleben sehr an das Zuhause gebunden. Das war ganz in Ordnung. Das RAV hat mir den einen oder anderen Kurs vermittelt und dies habe ich stets als willkommene Abwechslung betrachtet. Zurück von den Sommerferien spürte ich, dass die Kraft wieder da war. Ich fühlte mich erholt und bereit eine neue Stelle anzutreten. Und tatsächlich haben sich dann Anfang September ein paar spannende Sachen ergeben und ich erhielt die Gelegenheit mich an zwei Orten vorzustellen. Es brauchte dann alles seine Zeit, aber schlieslich habe ich Anfang November die Zusage zu einer neuen Stelle erhalten. Und zwar nicht einfach eine Stelle, sondern ein Ort wie gemacht für mich, so dass ich mich extrem freuen kann. Und mir war es auch egal, dass ich mich trotzdem bis Ende Januar weiter bewerben musste. Hauptsache ich hatte diesen tollen Job, der so gut zu mir passt. Ja, heute wo noch eine letzte Woche vor mir liegt kann ich lächeln und mit Freude auf die 9 Monate zurückblicken, es ist alles aufgegangen, das Leben hat es gut mit mir gemeint. Die innere Anspannung, die Befürchtungen, sie waren alle unnötig – aber klar, das kann ich heute so locker sagen. Ich habe die Zeit nicht für Reisen genutzt, ich habe keine neue Sprache gelernt und ich habe kein neues Hobby angefangen – wie auch, wie oben beschrieben, war ich voll im Familienleben eingetaucht. Und das war gut und schön so. Ich betrachte es als ein Geschenk, dass ich das so intensiv erleben durfte, alle Bedürfnisse der Kinder zu allen Tageszeiten so direkt zu erleben. Aber ich habe zusätzlich einiges erreicht: ich habe aufgehört zuhause jeden Abend ein Feierabendbier zu trinken, weil ich es nicht mehr brauchte und weil es eh nur ungesund ist. Ich habe es auch geschafft bis heute volle drei Monate komplett auf Zucker und Zuckerhaltiges zu verzichten. Als Experiment, aus Neugierde und weil es gesund ist. Und mir ist gelungen, was ich vorher jahrelang nicht mehr geschafft habe: regelmässig über eine längere Zeit laufen zu gehen. Laufen ist meine Leidenschaft, da geht mein Herz auf. Und seit Jahren haben mich abwechselnd die Familie oder der Job daran gehindert hier eine Regelmässigkeit aufrecht zu erhalten. Jetzt laufe ich seit 4 Monaten jede Woche 4mal mindestens 10km und ich bin bereits dreimal 21km gelaufen (was einem Halbmarathon entspricht). Mir geht es gut. Ich habe mein Sabbatical genutzt und ich habe die Zeit genossen. Wie oft habe ich es am Morgen geschätzt, als alle Kinder um 8 Uhr weg waren, dass ich nirgends hineilen musste. Nächste Woche bin ich noch einmal zuhause und dann zum Abschluss noch mit meiner Frau ein paar Tage in München. Ja, es braucht manchmal etwas Mut um zu seinem Glück zurück zu finden. Auch wenn ich ein 34facher Marathonläufer bin, so will ich meine Lektion fürs Leben gelernt haben: beim Laufen ist Leiden okay, es darf auch im Leben zwischendurch anstrengend sein. Aber wenn Körper und Geist richtig reagieren und sich nach Monaten nichts ändert, dann muss man das nicht jahrelang durchziehen. Die Gesundheit ist das wichtigste Gut das wir haben und wir müssen es schützen. Und dazu gehört es, dass man einfach auch mal dem Leben vertraut – und sich und seinen Fähigkeiten. Zwischendurch braucht es den Mut die Augen zu schliessen und sich fallen zu lassen. Da ist immer jemand der einen auffängt und wenn nicht – im schlimmsten Fall fliegt man halt mal auf die Nase, das ist immer noch besser als die Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Am 03.03.25 geht’s bei mir wieder los – ich freue mich! Und ich bin sehr dankbar – für alles!


Zurück auf dem richtigen Weg - das Glück wieder gefunden...
Zurück auf dem richtigen Weg - das Glück wieder gefunden...

 
 
 

1 opmerking


Lieber Matthias

So bildhaft und viele Gefühl hast du deinen Challenge und Change mit uns geteilt. Du hast alles richtig gemacht, wie immer: Respekt!

Danke fur die Freundschaft! Und jetzt bin ich gespannt wie sich das neue Wasser färben wird. Auf bald, ahoi! Lieben Gruß, Milena

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